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Mehrsprachigkeit in der frühen Bildung

Staatsminister Conrad Clemens und Leipzigs Bürgermeisterin Vicki Felthaus; ©SEV

Mehrsprachigkeit ist in vielen Kindertageseinrichtungen bereits Alltag. Dies ist für die Fachkräfte mit Herausforderungen verbunden. Es bietet jedoch auch große Chancen für alle Kinder. Pädagogische Fachkräfte können die unterschiedlichen Sprachen und Ausdrucksformen der Kinder im Kita-Alltag aufgreifen.

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse fand erneut das Symposium „Didacta“ zur frühkindlichen Bildung statt. Vertreter aus Wissenschaft und Praxis tauschten sich zum Thema „Mehrsprachigkeit in der frühen Bildung”– Sprache(n) leben, verstehen und begleiten, aus. Der SEV hat die Veranstaltung verfolgt.

Die geladenen Fachleute diskutierten über den gezielten Einsatz digitaler Medien. Das Ziel besteht darin, Sprachvielfalt sichtbar zu machen, das Sprachenlernen zu erleichtern und mehrsprachige Bildungsprozesse zu unterstützen. Dabei sollen die Familien einbezogen werden.

Entscheidung zur Finanzierung

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens stellte klar: „Es müssen große Entscheidungen getroffen werden, wie der kommende Haushalt verteilt wird.“ Investitionen in Kitas seien enorm wichtig. Aktuell sind die Kosten für die Kommunen und Träger höher als die des Landes. Auf Bundesebene soll das Kita-Qualitätsgesetz angepasst und das DAZ-System verändert werden. Dabei sollen Termine für Vorschuluntersuchungen vorgezogen werden, um Defizite früher erkennen zu können.

Auch die Integration soll schneller und früher vonstattengehen. Vicki Felthaus, Leipziger Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie, wies auf große sprachliche Defizite hin. Jedes dritte Kind habe sprachliche Probleme und zeige Auffälligkeiten bei der Einschulung. Mehrsprachigkeit sei eine Chance, dafür brauche es jedoch Zeit und Geld für Fachkräfte und Kitas.

Mehrsprachigkeit hat internationale Bedeutung

Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim betonte: „Mehrsprachigkeit ist eine Superkraft.“ Es gebe Widersprüche, Vorurteile und eine europäische Hilflosigkeit im Umgang mit den vorhandenen sprachlichen Ressourcen. Linguistische Diversität ist ein Wettbewerbsvorteil auf internationalen Märkten. Der Wert der Herkunftssprachen von Zugewanderten und anderen Minderheiten werde jedoch infrage gestellt. Sprache sei der Schlüssel für Teilhabe und Integration.

Robert Julerta vom Landeskompetenzzentrum für sprachliche Bildung in Leipzig (LakoS) sieht die Aufgabe pädagogischer Fachkräfte darin, Kindern den Umgang mit Medien zu vermitteln und zu erleichtern. Dazu gehöre die Integration digitaler Medien. Dies sei kein Selbstzweck, sondern ein pädagogischer Bildungsauftrag. Es brauche die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und für Medienvielfalt.