Fachkräfte berichten schon länger darüber. Schlechte Ergebnisse bei Schuleingangsuntersuchungen bestätigten zuletzt die Befürchtungen. Sächsische Kleinkinder hinken in der altersgemäßen Entwicklung sprachlich und motorisch hinterher. So wiesen 37 Prozent der getesteten Kinder sprachliche Defizite auf. Es gibt dringenden Handlungsbedarf. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens warb für frühzeitiges präventives Handeln. Dies sichere eine gute frühkindliche Bildung vor dem Schuleintritt. Er sprach sich für eine dringende und verbindliche Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands bei Vierjährigen aus.
Politische Entscheidungen verschärfen indes die Situation
Die Situation ist seit Jahren angespannt, so gibt es verschiedene kulturelle und sprachliche Hintergründe, die individuelle und zeitliche Ressourcen beanspruchen. Zudem wird in den Familien weniger gesprochen als früher; Fernseher und Smartphones ersetzen häufig den Dialog mit dem Nachwuchs. Die unterschiedlichen Entwicklungsstände der ankommenden Kinder sind eine weitere Herausforderung. Große Hoffnungen setzte man auf das Kita-Qualitätsgesetz, wir hatten darüber berichtet. Es zeichnete sich rasch ab, dass die für 2026 veranschlagten zwei Milliarden Euro kaum reichen dürften, um diesen wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden. Wie geht es ab 2027 weiter? Stattdessen schließen Kitas, befristete Arbeitsverträge werden nicht verlängert, Personal in den Einrichtungen wird verringert.
Kultusminister für Gesetz zur Qualitätsentwicklung auf Bundesebene
In weiteren Bundesländern sind Probleme im Spracherwerb und der motorischen Entwicklung zu beobachten. Der Betreuungsschlüssel und die Kinderzahlen unterscheiden sich jedoch, so auch die Finanzsituation. Die Haltung des Fachpersonals und die Förderung multiprofessioneller Teams könnte die Situation entschärfen. Auch bei einem einheitlichen Vorgehen der Lände, wird jedes seine Maßnahmen selbst festlegen, letztlich ist hier vor allem der politische Wille ausschlaggebend. Der Bund soll noch im ersten Quartal einen Entwurf für das Qualitätsentwicklungsgesetz vorlegen, hieß es.
Auswirkungen für die Gesellschaft
Förderschulen verzeichnen Zuwächse, die Mehrkosten verursachen. Kinder mit Einschränkung in Sprache, Sehvermögen, Motorik und mathematischen Verständnis werden im Erwachsenenalter weiterhin hohe Hürden überwinden müssen. Die Integration in die Gesellschaft, die beruflichen und privaten Perspektiven sind davon nicht unberührt. Es ist zu befürchten, dass Mehrkosten für die Integration in den Arbeitsmarkt und der individuellen Förderung in die Zukunft verschoben werden. Wir fordern daher eine feste finanzielle Förderung der Qualitätsentwicklung in den Einrichtungen auch über das Jahr 2026 hinaus. „Denn nur frühzeitiges präventives Handeln sichert eine gute frühkindliche Bildung vor dem Schuleintritt“, erklärte Conrad Clemens. Herr Minister, wir nehmen Sie beim Wort!

