Unter der Überschrift „Den eigenen Weg im Sozialen finden: Orientierung, Selbstreflexion, Stabilität“ fand am 11. September 2026 erneut der Fachtag des Sächsischen Erzieherverbandes am Beruflichen Schulzentrum für Dienstleistung und Sozialwesen in Dresden statt. Das Thema könnte aktueller kaum sein. Sinkende Kinderzahlen führen zunehmend zu betriebsbedingten Kündigungen. Gleichzeitig finden angehende Fachkräfte nach ihrer Ausbildung kaum noch einen Arbeitsplatz. Für den SEV war das Anlass genug, den diesjährigen Fachtag genau diesem Thema zu widmen. Die Schülerinnen und Schüler des BSZ hatten die Problematik bereits im Vorfeld als Schwerpunkt vorgeschlagen.
Im Mittelpunkt standen deshalb Fragen, die viele Fachkräfte derzeit beschäftigen: Welche beruflichen Perspektiven eröffnen sich angesichts sinkender Kinderzahlen in Kita und Hort? Wo liegen langfristige Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Und wie lässt sich der Arbeitsalltag so gestalten, dass Stress nicht zur dauerhaften Belastung wird und die eigene Widerstandskraft erhalten bleibt?
Erfahrungen aus der Praxis und ein Blick in die Zukunft
Den Auftakt machte Eric Maes, Erziehungswissenschaftler, Religionswissenschaftler und systemischer Pädagoge. Er beleuchtete die aktuellen Herausforderungen und beruflichen Möglichkeiten für Fachkräfte im Sozialwesen. Dabei zeigte er Arbeitsfelder auf, in denen künftig ein wachsender Bedarf an Fachkräften zu erwarten ist. Zugleich stellte er Qualifikationen vor, die zusätzliche berufliche Perspektiven eröffnen und den Zugang zu weiteren Bereichen des Arbeitsmarktes erleichtern können.
Anschließend nahm Jaqueline Weiß, Reflexintegrationstrainerin, die Auswirkungen von Stress auf das menschliche Gehirn in den Blick. Unter dem Titel „Zwischen Herzblut und Burnout“ veranschaulichte sie, wie sich dauerhafte Belastungen auswirken können. Gleichzeitig zeigte sie Möglichkeiten auf, dem Stress im Arbeitsalltag bewusst zu begegnen und die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt erläuterten Daniela Bergmann, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit, Susanne Borm, arbeitnehmerorientierte Vermittlerin der Agentur für Arbeit, und Sandra König, arbeitnehmerorientierte Vermittlerin aus dem Bereich U25 im Jobcenter Dresden. Anhand statistischer Daten gaben sie einen Überblick über die derzeitige Entwicklung. Sowohl erfahrene Fachkräfte als auch Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger erhielten Empfehlungen für ihre weitere berufliche Zukunft.
Dabei wurde deutlich: Wer von einem Arbeitsplatzverlust bedroht ist, sollte frühzeitig Unterstützung suchen. Das gilt für angehende ebenso wie für bereits erfahrene Fachkräfte. Die Vertreterinnen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters zeigten auf, welche Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch konkrete Fördermöglichkeiten wurden erläutert.
SEV mit deutlichem Appell
Florian Schneider vom Sächsischen Erzieherverband richtete einen klaren Appell an die Gäste des Fachtages: „Unser Interesse muss sein, dass die sächsischen Fachkräfte in Sachsen bleiben. Nur so kann es gelingen, dass wir auch für die Zukunft und bei steigenden Kinderzahlen eine sichere frühkindliche Bildung ermöglichen können.“
Denn die derzeit sinkenden Kinderzahlen dürfen nicht dazu führen, dass qualifizierte Fachkräfte dem sächsischen Arbeitsmarkt dauerhaft verloren gehen. Wer heute gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher aus dem Beruf drängt, verschärft den Fachkräftebedarf von morgen. Frühkindliche Bildung braucht Kontinuität und qualifiziertes Personal. Beides lässt sich nicht kurzfristig wieder aufbauen, wenn die Kinderzahlen erneut steigen. Deshalb sind auch die politischen Entscheidungsträger gefordert.
Der SEV dankt dem Beruflichen Schulzentrum für Dienstleistung und Sozialwesen sowie allen Teilnehmenden, Referierenden und weiteren Beteiligten für ihre Unterstützung und für die gelungene Ausgestaltung des Fachtages 2026.

