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Gute Lösung oder Eigentor? Wie sächsisches Fachpersonal in andere Regionen gelockt wird

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Kürzlich erreichte den Sächsischen Erzieherverband die E-Mail eines Beigeordneten für Bildung einer Stadt in Rheinland-Pfalz. Er bat um ein Telefongespräch mit dem SEV. Grundsätzlich begrüßen wir den Austausch mit Fachleuten über Landesgrenzen hinweg. Ein konkretes Gesprächsthema wurde zunächst jedoch nicht genannt.

Wir ahnten schließlich, worum es gehen könnte, und fragten nach. Die Antwort bestätigte unsere Vermutung: Thema sei der „Erzieherüberhang in Sachsen und mögliche Arbeitnehmerüberlassung im Erzieher/-innen-Bereich“. Bereits zuvor hatten Mitglieder berichtet, dass vergleichbare Anfragen überregionaler Stellen ihre Einrichtungen erreicht hätten.

Dabei wird offensiv mit attraktiven Arbeitsbedingungen, guten Gehältern und kostenfreien Unterkünften geworben. Sogar den Lebenspartnern werden Arbeitsverträge in Aussicht gestellt. Jüngst sorgten zudem Aussagen von Politikern aus Nordrhein-Westfalen für Aufsehen, die eine Rekrutierungsoffensive in ostdeutschen Regionen forderten. Diese Entwicklung nehmen wir zum Anlass, die aktuelle Situation näher zu betrachten.

Bundesweite und regionale Unterschiede

Die demografische Entwicklung verläuft sowohl bundesweit als auch innerhalb der einzelnen Bundesländer sehr unterschiedlich. Daraus ergeben sich regionale Unterschiede beim Personalbedarf und den politischen Prioritäten. In vielen Regionen ist die Personalsituation angespannt, der Handlungsdruck entsprechend hoch.

Auch innerhalb Sachsens zeigen sich deutliche Unterschiede. Je nach Region, insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Gebieten, variiert der Bedarf an pädagogischen Fachkräften erheblich. In manchen Landesteilen werden weiterhin dringend Beschäftigte für Kitas und Horte benötigt. Gleichzeitig besteht auch in anderen sächsischen Sozial- und Bildungsbereichen unverändert ein hoher Bedarf an qualifiziertem Personal.

Hohe Risiken für zukünftige Personalplanungen

Verliert Sachsen dauerhaft Fachkräfte an andere Bundesländer, greift dies unmittelbar in den sächsischen Arbeitsmarkt ein – mit Folgen, die sich oft erst zeitversetzt zeigen. Sollten Arbeitnehmerüberlassungen von politischen Entscheidungsträgern tatsächlich in Betracht gezogen werden, hätte dies zudem erhebliche Auswirkungen auf die individuelle Lebensplanung der betroffenen Fachkräfte.

Geht man von den aktuellen Prognosen aus, könnte die Zahl der Geburten ab etwa 2030 wieder langsam steigen. Zunächst wäre diese Entwicklung in den Krippen spürbar, anschließend in den Kindertageseinrichtungen und später auch an den Schulen. Damit würde erneut zusätzlicher Personalbedarf entstehen.

Es droht dann, was wir bereits kennen: zu wenig Personal, schwierige Arbeitsbedingungen und Fachkräfte, die dauerhaft an ihre Belastungsgrenzen geraten. Überlastungsanzeigen würden erneut zunehmen und einen Kreislauf in Gang setzen, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Vom Personalmangel direkt in den Personalüberschuss?

Über mehr als drei Jahrzehnte wurde mit großem finanziellem Aufwand und erheblichem Engagement pädagogisches Personal ausgebildet und aufgebaut. Nun droht eine Rolle rückwärts. Die historisch günstige Chance, die derzeitige Situation für eine nachhaltige Verbesserung der Betreuungsqualität zu nutzen, findet in der Politik bislang zu wenig Beachtung.

Die Erfahrungen der 1990er-Jahre haben deutlich gezeigt: Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. Ihre Gewinnung und Ausbildung erfordern Zeit, Weitsicht und eine verantwortungsvolle Personalplanung. Hinzu kommt, dass der tatsächliche Personalschlüssel derzeit weiterhin vom gesetzlichen Mindestpersonalschlüssel abweicht. Sachsen zählt deshalb im bundesweiten Vergleich nach wie vor zu den Schlusslichtern bei der Personalausstattung.

Der SEV setzt sich für die Fachkräfte in Sachsen ein. Wir sind weder eine Personalvermittlung für andere Bundesländer noch ein Werbedienstleister für überregionale Einrichtungen mit hohem Fachkräftebedarf. Wo Menschen leben und arbeiten möchten, ist eine persönliche Entscheidung, die zu ihrer individuellen Lebensplanung passen muss. Arbeitnehmerüberlassungen lehnt der SEV entschieden ab.

Wir fordern die Politik auf, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen und das pädagogische Personal langfristig in Sachsen zu halten. Nur so lässt sich die Zukunft der frühkindlichen Bildung nachhaltig sichern.

Sollten auch Sie von entsprechenden Anwerbeversuchen betroffen sein, nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf: kontakt@sev-gewerkschaft.de .