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Was ist neu im Sächsischen Erziehungs- und Bildungsplan?

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Am 6. Mai 2026 kamen Vertreter aus den Bereichen Bildung, Politik und Wissenschaft sowie den Gewerkschaften zusammen. Unter dem Motto „Kita der Zukunft” stellten Dr. Nicole Wolfram, Referatsleiterin im Referat Kindertagesbetreuung, und Abteilungsleiter Gerald Heinze den neuen Sächsischen Erziehungs- und Bildungsplan vor. Dieser sei als gesamtgesellschaftlicher Auftrag zu verstehen. An der Ausarbeitung waren über 6.500 Personen involviert. Die Autorinnen des neuen Erziehungs- und Bildungsplans waren Prof. Zill-Sahm und Prof. Eckhardt. Der SEV war als Mitglied des Fachbeirats an der Ausarbeitung des Erziehungs- und Bildungsplans beteiligt. Der verbindliche Leitfaden für pädagogische Fachkräfte tritt im Januar 2027 in Kraft.

Welche Zielsetzung steckt dahinter?

Eine offensichtliche Neuerung zeigt sich bereits im Namen: Aus dem Bildungsplan wird der Erziehungs- und Bildungsplan. Dies spiegelt die Überzeugung wider, dass Bildung nur auf der Grundlage von Erziehung gelingen kann. Zukünftig soll praxisnäher, partizipativer und unter Berücksichtigung der demografischen Gegebenheiten gehandelt werden.

Die Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen sowie mit den Eltern soll die Übergänge von der Kita zur Grundschule (von der Elementar- zur Primarstufe) verbessern. Die digitale Bildung wird verantwortungsvoll in den Kita-Alltag implementiert. Der Hort wird zukünftig als gesonderte Sparte behandelt, da er im Schulkontext stattfindet und sich von Kitas unterscheidet. „Kurze Beine, kurze Wege“: Trotz Kitazusammenlegungen wird eine ortsnahe Kinderbetreuung favorisiert.

Die Nutzung der Zeitfenster kindlicher Einrichtungen soll für mehr Flexibilität in den Betreuungszeiten sorgen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern stärker Rechnung tragen. Ungleichem mit Ungleichem begegnen: Die pädagogische Diagnostik kann die individuelle Situation jedes Kindes zukünftig leichter erfassen und verbessern. „Bedarf statt Bedürfnisse“: Zukünftig wird der Fokus verstärkt auf konkrete Notwendigkeiten gesetzt. „Gesund beginnt im Mund“: Auch die Gesundheitsförderung erhält in den Einrichtungen mehr Gewicht, insbesondere die Zahngesundheit wurde bei der Vorstellung genannt. 

Kitas sollen eine stabile Umgebung vorfinden, in der mit Kopf, Herz und Hand agiert wird. Bildungsziele sollen messbar werden. Geplant sind verpflichtende Erhebungen der Sprach- und Entwicklungsstände ab dem vierten Lebensjahr, um frühzeitig Unterstützung sicherzustellen.

Wie geht es weiter?

Mit der Vorstellung des Erziehungs- und Bildungsplans ist der Entwicklungsweg noch nicht abgeschlossen. So sollen auch weiterhin kontinuierlich Erkenntnisse in einen Assimilationsprozess einfließen. Maßgeblich für die Umsetzung in die Praxis ist das Qualitätsentwicklungsgesetz (QEG). Dieser Prozess wird voraussichtlich bis 2030 andauern. 

Das Startchancen-Programm soll im schulischen Kontext weitere Förderungen bereithalten. Die Auswirkungen, etwa für den Hortbereich, werden zu betrachten sein. Die größte Herausforderung steht jedoch noch bevor: Ab Juni 2026 wird die Debatte zur Finanzierung im Landtag in die entscheidende Phase gehen. Hierbei ist mit erbitterten Auseinandersetzungen zu rechnen.

Kultusminister Conrad Clemens verwies jüngst auf die laufenden Verhandlungen zwischen Land und Kommunen. Er sieht vielversprechende Anzeichen für eine Verbesserung. Der SEV sieht dies mit Zurückhaltung. Die sich aus den zurückgehenden Kinderzahlen ergebenden Chancen für einen verbesserten Betreuungsschlüssel wurden bisher nicht ausreichend genutzt. Stattdessen wird weiterhin Personal abgebaut. Eine höhere Kita-Pauschale, wie vom Kultusminister jüngst angedeutet, ist zudem kein Ersatz für eine verlässliche Finanzierung der frühkindlichen Bildung in Sachsen. Für den SEV ist daher klar: Wir werden genau hinsehen!